Von alten Ägyptern, echten Begegnungen und aufdringlichen Verkäufern

Janis McDavid Weltentdecker Ägypten

In der 5.Klasse nahmen wir im Unterricht das antike Ägypten durch. Ich war sofort fasziniert und wusste, dass ich einmal zu den Pyramiden reisen werde. Jetzt war es soweit. Mein Vorurteil, es handle sich bei Ägypten eher um ein „Rentnerreiseland" wurde nicht bestätigt – dafür ein paar andere ins Leben gerufen.  

Überzeugungsarbeit 

Rückblickend betrachtet entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass meine Idee nach Ägypten zu reisen bei meinen Freunden Torsten und Sven anfangs auf eher taube Ohren stieß. Ägypten? Offensichtlich teilten sie die auch mir innewohnende Ansicht, dass dort nur sehr alte Touristen auf sehr alten Pauschal-Nilkreuzfahrtschiffen vor sich hinschippern. Es lebe das gepflegte, unüberprüfte Vorurteil! Bei mir überwog natürlich die Sehnsucht aus Schultagen, denn dass ich auch zwischen Heerscharen von Hundertjährigen einmal mit eigenen Augen die Pyramiden sehen wollte, war für mich gesetzt.  

Eine Ewigkeit erleben 

Es brauchte weder Zeit noch Überzeugungskunst, um uns vom ersten Tag an klar zu machen, dass nicht die Touristen Ägyptens alt und angestaubt waren, sondern vor allem unsere Ansichten. Wir tauchten direkt ein in das trubelige Leben im und um das Hotel in Kairo. Eine laute, sandgelbe Stadt voll fremder Gerüche, Geräusche und einem atemraubendem Feinstaubgemisch. Ein fast kreischendes Jetzt, das mich ehrlich gesagt null anzog. Ich wollte nur eins: nach Gizeh. Cheops, Hatschepsut, Ramses, die Sphinx – der Ewigkeit im letzten noch erhaltenen Weltwunder der Antike nachspüren.  

Eine echte Ewigkeit 

Vieles von dem, was unsere Guides uns erzählten, wusste ich noch aus der Schulzeit, so sehr eingebrannt war es in mich. Nun selbst vor diesen jahrtausendealten Malereien zu stehen, deren Farben so klar und unangetastet von jeder Vergänglichkeit scheinen, erfüllte mich mit Begeisterung, einer kindlichen und einer seligen; und nicht zuletzt mit Ehrfurcht. Die alten Ägypter balsamierten ihre Toten, um ihre Körper für die Ewigkeit zu bewahren. Inmitten dieser Gräber empfand ich plötzlich wahrhaftig, was es bedeutete, dass all dies hier seit tausenden von Jahren Bestand hat. Das hier war Ewigkeit. Mein Herz schlug höher und stiller.  

Echt eine Ewigkeit 

Von Kairo ging es, o Wunder, weiter nach Luxor. Unsere nächsten Ausflüge buchten wir direkt bei den sehr empfehlungsversierten Rezeptionisten. Ich war angenehm überrascht, als uns am nächsten Tage eine Frau in Empfang nahm für unsere Tour zu den Tempeln, denn ehrlich gesagt war ich ein wenig genervt von all den massiven, vorwiegend männlichen Verkäufern, die einen überall belagerten, verfolgten und distanz- wie schmerzlos zutexteten. Lara würde mein Bild maskulin-übersteuerter Krämerseelen entzerren, hoffte ich. Stattdessen entpuppte sie sich als Sales-Wunder der Superlative. Keine Frage, die Tour mit ihr war informativ und die weiteren Touren, die sie empfahl (verkaufte), ebenfalls, allerdings forcierte sie schnell und elegant eine Art freundschaftliche Ebene zwischen sich und uns. Mein erstes Bauchgefühl dazu war skeptisch. Es dauerte, bis ich Laras Worten vertraute, aber menschenorientiert wie ich bin, setzte sich schlussendlich meine Freude an Begegnung und zwischenmenschlicher Verknüpfung durch.  

Ich trug das antike Ägypten tief in mir, bevor ich es sah und an dieser Faszination kann nichts rütteln.

Auf ewig entzaubert​? 

Ich trug das antike Ägypten tief in mir, bevor ich es sah und an dieser Faszination kann nichts rütteln. Sie ist gewachsen, tiefer, ja fast organischer geworden. Besiegt ist das Vorurteil des rentnerüberfluteten Landes. Dafür hat sich, wie auch schon in Marrakesch (> Move your head – Gedankenbewegung in Marrakesch), meine Abneigung gegenüber dieser sehr eigenen Art von Geschäftstüchtigkeit noch einmal extrem erweitert. Kaufen und Verkaufen, ich mag beides, bin selbst Geschäftsmann, bin Konsument – nein, das an sich ist nicht mein Thema. Doch für mich liegt ein Reiz des Reisens auch darin, Menschen zu treffen. Echte Begegnungen zu haben, deren Kern ein echtes Interesse am Leben und Sein des jeweils anderen sind. Wo freundschaftliches Verhalten (in klarer Abgrenzung zu von mir absolut gewertschätzter, professioneller Gastfreundlichkeit) nicht das Warming Up für die nächste Kaufempfehlung darstellt.  

Mein Fazit 

So verließ ich eines meiner Traumreiseziele mit dem schalen Nachgeschmack eines Benutztwordensein-Gefühls. Was Sven und Torsten in die Rolle brachte, mir im Nachhinein eine Reise schmackhaft zu machen, auf die sie selbst gar nicht so scharf waren. Auf den meisten meiner Reisen habe ich diese echten Begegnungen, und im Hier und Jetzt meines besten Lebens ohnehin.

Wie geht es dir damit, wenn die Grenzen zwischen Business und persönlicher Ebene aus taktischen Gründen aufgeweicht werden? Welches Gefühl lässt es in dir zurück? Ich bin gespannt, was du mit mir teilen magst.


Feedback first – offene Kritik braucht Mut
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Dienstag, 02. Juni 2020

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