Unfall am Rinjani Vulkan. Game over? (Indonesien 3)

SVEN4753

Mein Mut und meine Abenteuerlust spiegeln sich immer wieder im Kopfschüttel-Index. Da Selbstliebe und Selbstwertschätzung mein Basis-Gepäck sind, mache ich zwar Verrücktes, aber Fahrlässigkeit hat dabei nichts zu suchen. Dass das Leben trotzdem einen Trumpf im Ärmel behält, nämlich den nicht kalkulierbaren x-Faktor, hat unsere letzte Vulkantour eindrücklich gezeigt.

Neverendig Jetlag

Die blauen Flammen Ijens entlassen uns in einen Morgen voll gleißender Sonne. Ich fühle mich wie aus dem Schleudergang eines Waschprogramms geworfen. Unser Wach- und Schlafrhythmus ist bei dieser Reise ein nicht endender Jetlag. Trotzdem nehme ich die Bitte unseres Guides auf, noch ein paar seiner Freunde bei Ankunft im Hotel zu treffen. Sie engagieren sich in einer Organisation, die sich für Barrierefreiheit und Inklusion einsetzt. Gespräche wie diese liebe und schätze ich, bei all meinen Reisen. Plötzlich ist die Welt so klein, sind Themen Menschenverknüpfer und die Erkenntnis bleibt: In den Herzen bewegt uns alle sehr oft dasselbe. Wir sprechen fast zwei Stunden.  

Höllenritt und Atempause

Sofort geht es zur Weiterreise mit Auto und Boot nach Bali. Wir sind seit dem Vorabend auf. Es holpert, es rattert und das Tempo der Fahrer auf den schmalen, einspurigen Straßen lassen mehr als einmal den Schreck in mir hochjagen, dass dies nun unser letztes irdisches Überholmanöver war. Sieben lange Stunden. Torsten, Sven und ich müssen wie ein Panoptikum aus „The night of the living dead" wirken, als wir endlich das erste Mal am Strand zur Ruhe kommen, die Augen halboffen und einzig darauf ausgerichtet, den lebensspendenden Wassermelonenshake im Visier zu haben. Zwei Tage lang tun wir nichts. Einfach und endlos nichts.

Lombok mit Hindernissen

Es ist die einzige Tour, die ich nicht vorab gebucht habe. Laut meiner Recherche gibt es Angebote, die uns zum Gipfel, zum Krater und zum Kratersee des Rinjani bringen können, dem zweithöchste Vulkan Indonesiens. Vier bis fünf Tage sind dafür vorgesehen, doch egal bei welchem Anbieter ich mich vor Ort melde, ich höre nur von keinen oder kurzen Touren und sowieso nur bis zum Kraterrand. Die anderen Strecken sind gesperrt, Überbleibsel des letzten heftigen Erdbebens. Eine Übernachtung im Zelt, fertig. Ich fühle mich, freundlich gesagt, geerdet – und buche.

Schneller Aufstieg

Mit einem wild schaukelnden Fast Boat setzen wir zur Nachbarinsel über. Am nächsten Tag, um 7 Uhr früh, geht die Tour los. Bis zum Anbruch der Dunkelheit sollen wir dem Vulkan 2600 m abgerungen haben. Mit dabei ein Guide und drei Träger für das gemeinschaftliche Equipment. Torsten hat mich im Rucksack, Sven unsere Sachen. Es ist ein schwieriger Aufstieg über endlose Geröllfelder, wir schweigen und gehen und die Abstände zwischen den Pausen werden kürzer. Trotzdem schaffen wir es zum Sonnenuntergang oben zu sein. Welcome to the Kraterrand. Wir essen im Freien, bauen unsere Zelte auf. Der extreme Wind verführt mich dazu, mich viel zu warm einzupacken für die Nacht. Wärme und die flatternden Geräusche der Zeltplane zerren an meinem müden Kopf. Ich finde kaum Schlaf. Morgen früh soll uns einer der malerischsten Sonnenaufgänge Indonesiens erwarten. Um 05:20 Uhr klingelt mich der Wecker in die Welt zurück.  

Trust the vibes you get​!

Bis zum Aussichtspunkt, von dem aus wir den Sonnenaufgang betrachten sollen und wollen, sind es ein paar hundert Meter. Selbst in seinen Flip-Flops ist unser Guide flink wie ein Wiesel. Uns anderen stecken die Nacht und der neverending Jetlag noch in den Knochen. Torsten und Sven schnüren sorgsam ihre Wanderstiefel. Ich wüsste heute nicht mehr zu sagen, was uns dazu bewegt, trotz fehlender Taschenlampen dem Guide durch die Dunkelheit zu folgen. Kurz wie der Blitz einer sich ablösenden Netzhaut zuckt ein „Nein" zu der Aktion in mir hoch, doch sein Bild verschwindet in Sekundenbruchteilen. Wir gehen.

Schritt für Schritt. Dann findet Torstens Fuß keinen Halt und knickt ein.

Welche Folgen der Sturz für Torsten und mich hatte, warum der Abstieg zum Alptraum wurde und welche Diagnose uns in Deutschland erwartete, das lest ihr hier...

 Warum unser Abstieg zum Alptraum wurde:

...

Unfall am Rinjani Vulkan. Game over? (Indonesien 4)

Es ist 05.20 Uhr als der Wecker klingelt und Torsten, Sven und ich unserem Guide durch die nachtschwarze Morgenluft folgen. Der Sonnenaufgang soll malerisch unseren Tag einläuten. Die fehlenden Taschenlampen fordern auf dem geröllreichen, unebenen Boden am Kraterrand ihren Tribut: Torsten knickt mit dem Fuß um und wir stürzen hart zu Boden.


Wie das Abenteuer begann:  

...

Vulkanisches Vergnügen (Indonesien 1)

Bei der Ankunft in der größten Stadt Südostasiens, Jakarta, fehlt mein Rollstuhl; die Zeit zum Weiterflug nach Yogyakarta ist knapp, der Wechsel der Fluggesellschaft keine Vereinfachung der Situation und dennoch bin ich bester Dinge. Denn so zeigt sich schon in den ersten Stunden unseres Trips: Reisen bleibt aufregend!

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