Mit Sicherheit abenteuerlich

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Im letzten Sommer habe ich viele meiner Grenzen und Ängste überwunden. Aktuell bin ich in Indonesien, denn ich möchte wissen, was mir alles möglich ist. Bis wohin kann ich gehen? Ist die Angst größer oder ich? Und wenn die Angst groß ist, wie kann ich ihr begegnen? Was ich tue, erscheint manches Mal halsbrecherisch und verrückt. Oft genug schütteln andere den Kopf über mich. Mein perfektes Abenteuer hängt vor allem von einem ganz bestimmten Faktor ab.

Besser nicht oder jetzt erst recht​?

Auch in meinem Leben gab es irgendwann einmal den ersten Schnee. Und wo Schnee ist, sind Kinder mit Schlitten. Ein Spaß, an dem ich teilhaben wollte! Unbedingt! „Gut festhalten!" lautete der meisterteilte elterliche Rat auf den hölzernen Flitzern, die bergabwärts ein beeindruckendes Tempo entwickeln können. Für jemanden wie mich, ohne Arme und Beine, schien es jedoch zu gefährlich. „Vielleicht besser nicht", überlegten einige Lehrer. Auch meine Mutter war kurz unschlüssig, entschied dann jedoch: „Es wäre viel gefährlicher, du würdest nicht mitfahren!" Dank dieser Einstellung lernte ich früh, dass die Gefahr nicht in einer Unternehmung an sich lauert, sondern in meiner Vorbereitung darauf. Das Leben wird nicht sicherer, indem ich Herausforderungen vermeide, sondern indem ich mich ihnen stelle. Sich stellen heißt nichts anderes als hinsehen und sich wappnen. Denn selbstverständlich wurde ich nicht einfach auf einen Schlitten gepflanzt in der Hoffnung, dass es schon irgendwie gut gehen möge. Erst nachdem klar war wie es funktionieren kann, ging es los. Adrenalin pur. Herrlich!

Alles eine Frage der Technik​?

Versicherer wissen es längst: manche Gefahren lassen sich mit verbesserter Technik minimieren. Doch ab einem bestimmten Punkt ist Technik nicht mehr bzw. nur noch rudimentär ausschlaggebend für den Faktor Sicherheit. Die beste Technik nützt nichts, wenn Menschen ihr Verhalten nicht anpassen. Ein aus meiner Sicht großes Missverständnis in puncto Abenteuer und Thrill ist es, wenn Menschen die Risiken einer Unternehmung nicht bewusst ansehen, einschätzen und sich entsprechend darauf vorbereiten, weil sie glauben das mindere den Kick. Auch das blinde Vertrauen in ein gutes Equipment kann fatale Folgen haben. Ich riskiere niemals meinen Kopf für ein großes Abenteuer, sondern lieber einen Blick auf die Maßnahmen, die es dafür braucht.

Ziplining in Peru: Erst geprobt, dann ins Abenteuer gestürzt!

Ignoranz hält gefangen 

Dass ich ein extrem freies Leben führe und viele Grenzen überwunden habe, verdanke ich ausgerechnet den so unsexy wirkenden Sicherheitsregeln. Für mich gibt es keine Freiheit ohne Sicherheit. Unbekanntes Terrain lässt sich nicht mit Ignoranz erkunden, sondern vor allem dann, wenn ich dafür Sorge trage, dass ich alles habe, was ich für die Erkundung brauche. In meinem Kopf gibt und gab es dabei nie ein „Oje, ich muss auf Sicherheitskriterien achten!", sondern ehrlich gesagt ausschließlich den Gedanken „Was brauche ich, um es zu tun, es zu erleben und genießen zu können?"

Vielleicht erinnert ihr euch noch an mein Ziplining in Peru! Erst haben wir überlegt, wie es bewerkstelligt werden kann, dann haben wir es sozusagen „mit Netz und doppeltem Boden" geprobt, damit ich ein Gefühl bekommen konnte, ob das alles wirklich passt. Und erst dann ging es wahrhaft über den Abgrund. Adrenalin pur! Herrlich.

Ein letzter X-Faktor bleibt ohnehin

Das Leben selbst ist Risiko. Wir können viel, doch nie alles bedenken. Wir können bestens vorbereitet sein, und trotzdem passiert etwas. Dessen bin ich mir bewusst. Vorbereitung und sicherheitsorientiertes Verhalten entspringen nicht meiner Angst vor Gefahr, sondern meiner Lust am Abenteuer. Meine Selbstwertschätzung ist der Grund dafür, dass ich mich selbst bestmöglich durch mein Leben und seine Anforderungen begleite. Ich will handlungsfähig sein, will erleben, will angeblich Unmögliches möglich machen und nur die Grenzen anerkennen, an denen es wirklich nichts zu rütteln gibt. Vielleicht wirken eine Schwimmweste oder Helme auf den ersten Blick uncool. Vielleicht geht eine Fahrt ohne Gurt hundert Mal gut. Mir stellt sich die Frage: Ist mir die Coolness ein Loch im Kopf wert? Habe ich Bock darauf in einem Krankenhaus zusammengeflickt zu werden, wenn eine relativ simple Maßnahme es hätte verhindern können? Stehen die fatalen Folgen der selbstüberschätzenden Ignoranz in irgendeiner gesunden Relation zu meiner Bequemlichkeit, einen Gurt, eine Begleitung, ein Vorabtraining in Anspruch zu nehmen? Nein.

Wenn du Lust auf dein Leben hast, wenn du den Kick liebst und Herausforderungen suchst, dann sorge gut für dich, denn nur dann wirst du es voll auskosten können in allen Facetten – immer wieder. Mit Sicherheit erhältst du Adrenalin pur. Herrlich!


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Sichtbarkeit - Vom „Wer?“ zum „Der!“
Poltergeist und Murphy’s Law

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