Greta trifft Janis. Ins Herz.

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Ich traf Greta am Rande einer Veranstaltung, wechselte kurze, smalltalkliche Worte mit ihr. Wie das so ist, auf Veranstaltungen. Doch irgendwo zwischen „Hallo, wie geht's" und „Klasse Location hier." platzierte sich sofort ein Gedanke: Die will ich im Auge behalten. Gesagt, getan, getroffen.

Ein Abonnement mit Folgen

Noch am Tag unserer Begegnung abonnierte ich den Instagram Account von Greta Silver. Autorin, Speakerin, YouTube-Star. Obwohl wir nur wenige Sätze miteinander gesprochen hatten, war ein Funke übergesprungen, unerwartet, spannend und Neugier auf mehr entfachend. Mit Freude tauchte ich ein in Gretas Welt, ihre Statements, Einsichten und ebenfalls ihren Podcast. Greta ist 71, ihr Strahlen wirkt wie ein Flutlicht – und zwar nicht nur auf gestylten Fotos. Ihre Energie und Lebensfreude sind unüberspürbar; doch da war noch etwas anderes, was mich anzog, ohne dass ich es benennen konnte. Als ich kurzfristig einen geschäftlichen Termin in Hamburg hatte, verabredeten Greta und ich uns spontan auf einen Kaffee.

What a Wellenlänge!

Ihr kennt solche Begegnungen. Sie sind Highlights. Fremd + Fremd = Wirkennenunsschonewig. Es gab keine einzige Sekunde des Annäherns, Fremdelns; kein Warming Up über Wetter, Werbung und Netflix war notwendig, um ins Gespräch zu kommen. Ins tiefe, vertraute Gespräch. Ein Austausch, wie er persönlicher nicht sein konnte. Dabei berührten wir ein Thema, das mich immer und immer wieder ganz besonders triggert. Ein Janis-Thema, ein Kernmotiv und für mich einer der Dreh- und Angelpunkte, wenn es um unser bestes Leben geht. Greta packte es in einen Satz mit einem Wort, das ich bisher nicht im aktiven Sprachschatz hatte, aber es trifft den Punkt: „Janis, sei gnädig zu dir selbst."

Aus meinem kurzen Kaffee mit Greta wurden schlussendlich über drei Stunden, in denen wohl keiner von uns beiden eine Sekunde das Gefühl hatte, dass zwischen uns mehr als 40 Jahre Altersunterschied liegen.

Nenn' es wie du willst, aber mach's!

Gnädig sein im Sinne freundlicher Nachsicht mit uns selbst, hat viele Synonyme: wohlwollend, gütig, liebevoll, freundschaftlich, human, geneigt, sanft, barmherzig, schonend, ach, die Liste ließe sich endlos fortführen. Auch das finde ich super. Wie viele Ausdrucksformen Selbstliebe haben kann. Denn darum geht es. Sich selbst anerkennen. Sich selbst lieben lernen. Und aus dieser grundsätzlichen Entscheidung zu sich selbst heraus ins Leben zu gehen. Sich zu begleiten, durch alle Lebenssituationen. Freundschaftlich. Viele, viele Jahre war ich mein ärgster Feind. Niemand konnte mich mehr zerstören, beschimpfen und runterputzen als ich mich selbst. Manchmal tarnte ich meinen Selbsthass mit scheinbarer Selbstironie und setzte hinter jeden noch so nichtigen „Fehler" Bemerkungen wie „Dafür bin ich einfach zu dumm." oder „War ja klar, dass Janis das wieder vermasselt." Bis mich einmal ein guter Freund darauf ansprach.

"Hörst du dir eigentlich zu, Janis"?

Es war eine Frage, die mich wirklich traf. Erst wiegelte ich ab. Sei doch nicht so gemeint. Alles nur Scherz. Spaß. Blablabla. Heute weiß ich: Es ist kein Scherz. Über keinen meiner Freunde würde ich so im Scherz reden. Nie. Warum also über mich selbst? „Janis, sei gnädig zu dir selbst." Gnädig. Gnade. In diesen mich echt altertümlich anmutenden Wörtern steckt noch ein besonderes Körnchen mehr, denn Gnade kommt aus dem Germanischen, wo es „Gunst" bedeutet und hat auch Wurzeln im Gotischen, wo es auf „beistehen, unterstützen" zurückgeht. Steh dir selbst bei. Unterstütze dich, sei gut zu dir und gnädig.„Hörst du dir eigentlich zu, Janis?" Die Frage meines Freundes liegt lange zurück. Gretas Podcast ließ neue Fragen aufkommen: Wann loben wir uns selbst, wenn wir etwas Gutes gemacht haben? Erkennen an, dass unsere Ergebnisse aus unserem Handeln kommen? Und dieses Handeln unseren Werten und Entscheidungen unterliegt? Ich mache etwas gut, weil ich mich zuvor für etwas Gutes entschieden habe.

Alterslose Ansichten und eine 2-Sekunden-Regel

Aus meinem kurzen Kaffee mit Greta wurden schlussendlich über drei Stunden, in denen wohl keiner von uns beiden eine Sekunde das Gefühl hatte, dass zwischen uns mehr als 40 Jahre Altersunterschied liegen. Weil die Themen, die uns Menschen im innersten bewegen nicht am Alter hängen. Oder am Geschlecht. Oder am Ort, wie ich auf vielen meiner Reisen immer wieder feststelle, wenn ich dort mit den Menschen spreche.

Gnädig zu uns eins sein, wenn ich mir dein Wort noch einmal leihen darf, Greta, können wir üben. Wenn du das nächste Mal ansetzt, dich selbst runterzuputzen, dann wende die einfache 2-Sekunden-Regel an. Halte kurz inne, nur kurz, und frag dich: Was bringt es mir, mich so abzuwerten? Löst es die Situation? Das Problem? Bringt es mich weiter? Nein? Dann lass es. Ganz einfach. Ganz gnädig.


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 Mehr über Greta in ihrem Bestseller:

Wie Brausepulver auf der Zunge: Glücklich sein ist keine Frage des Alters

»Ein großes Glück ist dieses Alter. Und so bunt. Das hätte ich mir in jüngeren Jahren niemals träumen lassen. Wenn ich morgens aufwache, kribbelt die Freude auf den neuen Tag schon in mir. Was wird heute alles Tolles passieren? Ich bin froh, dass dieses ganze Rumgezappel von früher vorbei ist und ich nur noch das tue, was mir Spaß macht. Ich muss nicht. Ich will. Das ist der Unterschied. Ich muss nicht mehr durch meinen Tag hetzen. Ich kann tun, was ich möchte. Und ich will eine Menge und brauche mir diese Zeit nicht zu stehlen. Jede Zeit ist meine Zeit.«
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