Erfolg braucht keine Freunde

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Dies in etwa war die Essenz eines Ratschlags, den ich vor vielen Jahren erhalten habe. Und noch heute bin froh, dass ich mich konsequent nicht daran gehalten habe. Erfolg, das allerdings habe ich inzwischen gelernt, hat viele Gesichter – und eine Fratze.

Du bist die Summe derer, die dich umgeben

Das ist eine oft zitierte „Gesetzmäßigkeit", die aber ziemlich viel Interpretationsspielraum lässt. „Erfolgreich kann nur sein, wer sich mit erfolgreichen Menschen umgibt" begann damals der wohlmeinende Rat eines Wegbegleiters. So weit, so diskutabel. „Wenn du wirklich erfolgreich sein willst, Janis, musst du deine Freundschaften beenden. Konsequent." So weit, so indiskutabel. Ich erinnere mich gut, wie sich sofort alles in mir sträubte und mein ganzes Wertesystem in Kampfstellung ging. Meine Freunde aussortieren? Das sollte mir den Weg zum Erfolg frei machen? Was um Himmels Willen ließ diesen Mann so etwas Verrücktes sagen?

Das Ziel zeichnet den Weg

Ich solle, das war der Abschluss der lehrreichen Worte, nur noch Menschen in meinem Umfeld haben, die schon dort sind, wo ich hin wolle. Nicht erst seit meiner Mentaltrainer-Ausbildung weiß ich, dass es selbstverständlich gut, klug und wichtig ist, von Menschen umgeben zu sein, die uns gut tun. Mit „gut tun" meine ich, dass wir Wertschätzung erleben, Vertrauen und Erkanntsein; dass wir wohlmeinenden Gegenwind und Kritik erhalten, wo sie wichtig für uns und unsere Beziehungen ist. Dass wir mit Menschen arbeiten und leben und Zeit verbringen, die zu uns passen. Nicht im Sinne einer stumpfen Harmonie, sondern einer Ergänzung der Wesensart und der Werte. Solche Menschen sollte ich aussortieren? Ich fragte mich plötzlich, welches Verständnis von Erfolg hinter so einem Rat stecken konnte?

Ich stünde heute auf keiner Bühne, hätte ich nicht genau die Freunde, die ich habe.

Erfolg ist, wenn die Kasse stimmt

Die Geldkasse, die Applauskasse, die Like-Kasse, die Aufmerksamkeitskasse und all die anderen Klingelbeutel des Prominentseins. Das Weltbild, das hinter dieser Annahme steht, ist mir fremd. Erfolg ist für mich, dass ein Mensch sein bestes Leben lebt. Das kann sehr laut sein oder sehr leise. Sehr öffentlich oder sehr zurückgezogen. Mit sehr viel Geld oder wenig. Allein oder in einer Familie. Als Schreiner oder Staatsanwältin. Und die Menschen, die das Leben mit dir teilen – egal wie nah oder fern sie örtlich sind.

Meine beste Freundin Madita kenne ich seit Kindertagen. Wir sind verschieden in der Art, im Lebensentwurf, in dem, was uns gefällt und wohin wir wollen. Es sind nicht bloße Gemeinsamkeiten, die uns verbinden; es ist auch nicht der schnöde Faktor Zeit („seit dem Sandkasten"). Da ist ein inneres Band, das uns beieinander gehalten hat während unserer unterschiedlichen Entwicklungswege. Wir haben gewagt uns immer besser kennenzulernen, den anderen wahrzunehmen, uns auseinanderzusetzen; mit uns selbst und miteinander. Erfolgreich.

Erfolg ist, wenn das Leben stimmt 

Ich stünde heute auf keiner Bühne, hätte ich nicht genau die Freunde, die ich habe. Mein Talent, mein Können, mein Spirit in allen Ehren – zur Entfaltung meines Potenzials und zur Umsetzung meiner Träume war die Unterstützung meiner Freunde einer der wichtigsten Faktoren. Wie z.B. hätte ich ohne Sven und Torsten Peru oder Indonesien verwirklichen sollen (-> Vulkanisches Vergnügen (Indonesien 1))? Sie erst und das Vertrauen, das uns verbindet, haben das möglich gemacht. Es war kein Erfolgs-Speaker, der mich im Rucksack geschultert hat. Dank meiner Freunde bin ich dort hingekommen, wo ich wollte: auf Gipfel, an Krater, in unwegsames Gelände.

Da ist ein inneres Band, das uns beieinander gehalten hat während unserer unterschiedlichen Entwicklungswege. Foto: Jan Weidenbacher

Beste Freunde, bestes Leben, bester Erfolg

Damit mich niemand missversteht: In den letzten Jahren bin ich großartigen und beruflich extrem erfolgreichen Menschen begegnet, die mich und meine Karriere begleiten und fördern. Durfte teilhaben an der Erfahrung versierter Speaker-Kollegen. Ich bin dankbar für echten Austausch, Begegnung und Mentoring. Natürlich orientiere auch ich mich an Persönlichkeiten, die mich inspirieren. Nie aber käme es mir in den Sinn, die Nähe zu Promis, VIPs oder Spitzen-Speakern zu suchen, nur weil diese „Erfolgsmenschen" sind. Ich schätze die Nähe von Menschen, die etwas können, die etwas zu sagen haben; die ihr Business ausbauen, ohne dabei ihre Seele zu Markte zu tragen. Und niemals gäbe ich eine Freundschaft auf, um mir eine teflonbeschichtete Erfolgsblase aufzupusten – egal wie gut diese funktionieren kann.

Welche Werte sind wichtig für dich und dein bestes Leben? Ich bin neugierig zu erfahren, was ihr nie und was ihr sofort aufgeben würdet, um erfolgreich zu sein.


Warum es wichtig ist, sich selbst sein bester Freund zu sein: 

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Viele Jahre, war ich mir selbst mein ärgster Feind

Niemand konnte mich mehr zerstören, beschimpfen und runterputzen als ich mich selbst. Manchmal tarnte ich meinen Selbsthass mit scheinbarer Selbstironie und setzte hinter jeden noch so nichtigen „Fehler" Bemerkungen wie „Dafür bin ich einfach zu dumm." oder „War ja klar, dass Janis das wieder vermasselt." Bis mich einmal ein guter Freund darauf ansprach.

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